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Ausbildung für alle
Gemeinsam gewinnen

Frontbild steiniger Strand

Die DGB-Jugend ist ein eigenständiger Jugendverband. Als Dachverband sind wir politisch unabhängig, aber nicht neutral. Wir vertreten die Interessen unserer Mitglieder im Landesjugendring, Stadtjugendringen und Kreisjugendringen sowie in diversen Ausschüssen. Für die Mitgliederbetreuung, die betriebliche Arbeit und Tarifverträge sind die Mitgliedsgewerkschaften zuständig.


DIHK kritisiert Bildung der Schulabgänger - Wir kritisieren diese Einstellung

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Die Wirtschaft kritisiert Bildung der Schulabgänger - Wir kritisieren diese Einstellung!

Industrie und Handel halten jeden fünften Schulabgänger für nicht ausbildungsfähig.

Selbst im Krisenjahr 2009 habe jeder fünfte Ausbildungsbetrieb mangels geeigneter Bewerber nicht alle angebotenen Lehrstellen besetzen können, ergab eine am Donnerstag in Berlin vorgestellte Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Bei 220 000 Ausbildungsbetrieben in Industrie, Handel und Dienstleistungen entspreche dies etwa 50 000 unbesetzten Lehrstellen, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben."

Der Vorwurf der fehlenden Ausbildungsreife ist, nach Ansicht der DGB-Jugend, zu pauschal und undifferenziert. „Die Alten" haben sich schon immer über „die Jugend" beschwert und dabei ihre eigene Jugend verklärt. Bereits in den 1960er Jahren hat die Deutsche Wirtschaft über mangelnde Ausbildungsreife der Jugendlichen geklagt.

Es muss differenziert werden: Schlechte Noten haben erstmal nichts mit Ausbildungsreife zu tun. Auch zwischen Allgemeinbildung und beruflichem Erfolg gibt es keinen klaren Zusammenhang. Tests zeigen, dass es in der Tat teilweise Schwächen bei Rechtschreibung, Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften gibt. Gleichzeitig aber sind die Kompetenzen der Jugendlichen bei logischem Denken, Problemlösungskompetenz, Englisch und Computerkenntnisse größer als die ihrer Eltern. Intelligenztests zeigen, dass Jugendliche (und auch Erwachsene) immer besser abschneiden und nicht schlechter.

Klar ist, nicht jeder Jugendliche kann von heute auf morgen jede Ausbildung beginnen. Umso wichtiger ist es, die Interessen, Fähigkeiten und Stärken jedes Einzelnen schon in einer effektiveren Berufsorientierung und Berufswegplanung in der Schule zu berücksichtigen.

Die Unternehmen müssen sich im Klaren sein, dass Jugendliche, die eine Ausbildung beginnen, keine fertigen Fachkräfte sind. Das sollen sie in einer guten und qualifizierten Ausbildung werden. Die Unternehmen und Auszubildenden, die dabei Unterstützung benötigen, sollen diese erhalten.

Die von der DIHK beklagte Schere zwischen den wachsenden Anforderungen im Arbeitsleben und dem Wissen und Verhalten der Jugendlichen wird von vielen Arbeitgebern selbst künstlich vergrößert. Seit Jahren dürfen immer weniger Beschäftigte die gleiche Arbeit erledigen, die zuvor von mehreren bewältigt worden ist. Diese Arbeitsverdichtung führt zu ungesunden Arbeitsbelastungen der Arbeitnehmer/-innen und dies wird nun ebenso auf die Auszubildenden übertragen.

Die Anforderungen der Wirtschaft an Bewerber/-innen, der Schulen an Schüler/-innen und der Gesellschaft an Jugendliche generell sind heute viel höher als früher. Beispielsweise ist das Niveau von Schulprüfungen teilweise auf einem Stand, der vor 30 Jahren nur an Hochschulen abgefragt wurde. Wer heute als „nicht ausbildungsreif" gilt, hätte früher problemlos eine Ausbildung absolviert.

Frei nach dem Motto „Schuld sind die Jugendlichen selbst", scheint der DIHK die Ausbildungsplatzsituation zu bewerten und damit eine Entschuldigung der deutschen Wirtschaft zu propagieren, um sich somit aus ihrer sozialen Verantwortung schleichen zu können. Einmal sind es die Schulen, dann die Jugendlichen selbst und nun die Eltern, die laut DIHK nicht mehr in der Lage sind, ihren Kindern Kompetenzen wie regelmäßiges Aufstehen, Pünktlichkeit und Disziplin zu vermitteln. Das ist kontraproduktiv und hilft den Jugendlichen nicht. Nach wie vor gibt es zu wenig betriebliche Ausbildungsplätze. In Baden-Württemberg, meldeten die Arbeitsagenturen, regional einen Rückgang der bislang zur Verfügung gestellten Ausbildungsplätze von bis zu 18%.  Fakt ist, wenn es mehr Bewerber/-innen als Lehrstellen gibt, schrauben die Betriebe die Erwartungen an die Auszubildenden hoch, weil sie sich die „Rosinen rauspicken" können. Arbeitgeber thematisieren die ‚mangelnde Ausbildungsreife' immer dann, wenn es zu wenig Lehrstellen gibt.

Deshalb fordert die DGB-Jugend gerade jetzt in der Krise die Wirtschaft auf, allen Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen. Das heißt, auch den Jugendlichen mit schlechteren Startchancen. Wird dies von der Wirtschaft versäumt so läuft das Land Baden-Württemberg Gefahr in einen massiven Fachkräftemangel hineinzulaufen, so die DGB-Jugend Vorsitzende Annika Wörsdörfer.