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Frontbild steiniger Strand

Die DGB-Jugend ist ein eigenständiger Jugendverband. Als Dachverband sind wir politisch unabhängig, aber nicht neutral. Wir vertreten die Interessen unserer Mitglieder im Landesjugendring, Stadtjugendringen und Kreisjugendringen sowie in diversen Ausschüssen. Für die Mitgliederbetreuung, die betriebliche Arbeit und Tarifverträge sind die Mitgliedsgewerkschaften zuständig.


Internationale Solidarität leben - Soli-Arttikel

Die DGB-Jugend Baden-Württemberg ist Teil der »Vier Motoren«- Kooperation. Wie man europaweit die Interessen junger ArbeitnehmerInnen vertritt, sagt DGB-Jugendbildungsreferentin Tanja Trost.

Die DGB-Jugend Baden-Württemberg ist Teil der Vier-Motoren-Kooperation. Was bedeutet das?

Vor dem Inkrafttreten des Europäischen Binnenmarktes unterzeichneten 1988 die Regionen der »Vier Motoren für Europa« - Baden-Württemberg, Katalonien, die Lombardei und Rhône-Alpes - eine Kooperationsvereinbarung. Dabei verfolgten sie zwei Ziele: die Einbindung der Regionen und ihrer Bürgerinnen und Bürger auf internationaler Ebene sowie die Förderung der Rolle der Regionen beim Bau des gemeinsamen Europa. Die »Vier Motoren« bilden einen Rahmen für die Förderung gemeinschaftlicher Projekte. Sie werden über die Europäische Union finanziert und konzentrieren sich auf die Bereiche Wirtschaft und Innovation, Forschung, Aus- und Weiterbildung sowie interregionale Zusammenarbeit. Seit 2007 ist die interregionale Strategie der »Vier Motoren« darauf ausgerichtet, die wirtschaftliche, wissenschaftliche und technologische Wettbewerbsfähigkeit der vier Regionen vor dem Hintergrund der globalen Verflechtung zu stärken und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Welchen Part spielt die DGB-Jugend dabei? Sind die Gewerkschaftsjugenden anderer Länder ähnlich eingebunden?

Um die Möglichkeiten der Einflussnahme zu nutzen und ein soziales Europa zu gestalten, müssen sich die Gewerkschaften selbstverständlich einbringen. Dies betrifft dann ebenso die Jugend. Daher ist die DGB-Jugend mit den Gewerkschaftsjugenden der Partnerregionen verbunden. Wir verstärken kontinuierlich unsere gemeinsame Arbeit. Da die Partnerregionen keine Einheitsgewerkschaften, sondern Richtungsgewerkschaften haben, haben sie auch keinen Dachverband. Daher ist es wichtig, dass die unterschiedlichen Gewerkschaftskulturen berücksichtigt werden. Unsere Partner sind dabei die Jugendstrukturen der Gewerkschaften. In Katalonien ist dies für die UGT Avalot und für die Comisiones Obreras die Acció Jové. In der Region Rhône-Alpes sind es die CFDT und die CGT und in der Lombardei die Gewerkschaften CGIL und CISL.

Wie wird zusammengearbeitet?

Einmal jährlich gibt es eine gemeinsame Konferenz in einem der Partnerländer. 2006 fand eine Konferenz in Barcelona statt, im Jahr 2008 in Mailand. 2009 waren wir als DGB-Jugend Baden-Württemberg an der Reihe und veranstalteten unsere Konferenz mit dem Schwerpunkt Organizing, wozu wir auch andere Partner - z.B. aus Israel - eingeladen haben. Letztes Jahr haben wir im Vorfeld des Europäischen Sozialforums in Istanbul ein zweitägiges Meeting organisiert und sind dann zusammen dorthin gefahren. Auf den Konferenzen setzen wir uns mit aktuellen Themen auseinander, die für die Jugend wichtig sind. Das kann von Green Jobs bis zu Jugendarbeitslosigkeit und sozialen Wohnungsbau für junge Menschen gehen. Wichtig sind jedoch die Workshop-Phasen und der bilaterale Austausch zwischen den Teilnehmenden, für die es oftmals der Erstkontakt mit Gewerkschaften aus anderen Ländern ist.

Vor kurzem habt ihr eine Fachtagung veranstaltet - Thema: Soziale Sicherung von Jugendlichen. Welchen Sinn macht es, dies mit den Partnern abzusprechen?

In allen Ländern hat es massive Einschnitte in die sozialen Sicherungssysteme gegeben - man denke an die Anhebung des Renteneintrittsalters. Sich darüber auszutauschen, wie die einzelnen Gewerkschaften mit solchen Herausforderungen umgehen und wo sie eine erfolgreiche Lobbyarbeit betrieben haben, ist essenziell für die Gestaltung von guten Lebens- und Arbeitsbedingungen überall in Europa. Wichtig wäre es, ein Projekt mit personeller Unterstützung zu etablieren, das für einen guten Informationsfluss sorgt und auch die Gewerkschaftsjugenden ohne eigenes Personal unterstützt, die gemeinsame Arbeit vor- und nachzubereiten.

Wo klappt die Zusammenarbeit besonders gut, was geht nicht?

Die Abstimmung und das Vorantreiben von Projekten klappen natürlich besser mit jenen, die ebenfalls Hauptamtliche haben. Unsere französischen Partner etwa haben zwei zuständige Leute, die voll im Berufsleben stehen und zu zehn bzw. zu 20 Prozent Gewerkschaftsarbeit machen. Leider ist die sprachliche Barriere in diesem Kreis enorm hoch. Da die finanziellen Mittel für die internationale Gewerkschaftsjugendarbeit begrenzt sind, fehlt es bei kleineren Treffen dann an einer funktionierenden Übersetzung oder an Räumen, in denen die Veranstaltungen stattfinden können. Aber um das klarzustellen: Auch wenn bei den Treffen gefühlt nur kleine Ergebnisse herauskommen, so bereichert die internationale Gewerkschaftsarbeit doch ungemein. Der Schlachtruf »Hoch die internationale Solidarität « bleibt nach einer Delegationsreise keine leere Worthülse mehr.

Europa wackelt wegen der Griechenland- und anderer Schuldenkrisen. Wie diskutiert ihr diese Prozesse?

Für hochbrisante aktuelle Themen wird es bei dem langen Planungsvorlauf schwer, den angemessenen Raum zu finden. Aber egal, wie sich die öffentliche Meinung zu bestimmten Ländern - wie z.B. Spanien während des EHECSkandals - ändert: Wir brechen unsere Beziehungen zu unseren Kolleginnen und Kollegen nicht ab, sondern leiten eher Infos an unsere Ehrenamtlichen weiter und versuchen Solidarität herzustellen. Im Grunde haben Jugendliche ja überall die gleichen Probleme, wie wir auf unseren Tagungen feststellen können. Bei der Problemlösung ist der Austausch untereinander dann super, vor allem, wenn es um kreative Aktionen geht.

Das nächste dicke ding ist dann...

...die Konferenz, die Ende November 2011 von den französischen Partnern ausgerichtet wird - in Lyon. Die Festlegung der Hauptthemen oder die Themenvorschläge obliegen den Gastgebern. Da befinden wir uns aber noch im Abstimmungsprozess.