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Der Ausbildungsreport 2010

Ausbildungsreport 2010 Datei (klicken)

Die duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, wie wir sie in Deutschland kennen, stellt im internationalen Vergleich eine Besonderheit dar. Ein Großteil der jungen Menschen erwirbt als Azubi die grundlegenden Qualifikationen für die weitere Erwerbsbiografie. Hier werden die Weichen hinsichtlich der Chancen auf dem Arbeitsmarkt gestellt. Die duale Ausbildung ermöglicht vielseitige und anspruchsvolle Aufgaben im Beruf und schafft die Voraussetzung zur sozialen Integration.

Gut ausgebildeter Fachkräfte sind wichtig für den Arbeitsmarkt und die volkswirtschaftliche Entwicklung. Doch qualifizierter Nachwuchs wird mittel- und langfristig immer knapper. Nicht nur aufgrund der demografischen Entwicklung droht ein Fachkräftemangel. Doch der Einstieg in das Berufsleben für die jungen Menschen zunehmend schwieriger. Dies gilt nicht nur für die Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz, sondern auch für den Weg in die Arbeitswelt insgesamt.

Im August 2010 hat das Statistische Bundesamt Daten zur Beschäftigungssituation der 15- bis 24-jährigen veröffentlicht. Demnach ist die Zahl der atypisch Beschäftigten innerhalb dieses Alters von 2000 bis 2009 um 200.000 auf etwa 675.000 Personen gestiegen. Die Zahl junger NormalarbeitnehmerInnen sank um fast 400.000 auf knapp 1,2 Millionen Personen. Insbesondere der Anstieg von befristeter und geringfügiger Beschäftigungen wird dafür als Grund angeführt. Ohne Frage haben diejenigen die besten Chancen auf einen sicheren und fair bezahlten Einstieg in das Erwerbsleben, die eine hochwertige betriebliche Ausbildung absolvieren konnten. Daher widmen wir der Qualität der Berufsausbildung mit dem Ausbildungsreport regelmäßig besondere Aufmerksamkeit.

Wie schätzen Auszubildende in Deutschland ihre berufliche Ausbildung selbst ein? Wie bewerten sie die Qualität dessen, was ihnen in Vorbereitung auf ihr weiteres Berufsleben vermittelt wird? Diese Leitfragen stehen auch beim mittlerweile fünften Ausbildungsreport der DGB-Jugend im Mittelpunkt. Ziel der Studie ist es, einen Überblick darüber zu geben, in welchen Berufen junge Menschen eine qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten und wo es möglicherweise Mängel gibt. Erneut wurden ausschließlich diejenigen befragt, die sich derzeit in einer betrieblichen Ausbildung befinden. Sie sind am besten in der Lage, im Positiven wie im Negativen ein aktuelles Gesamtbild der Qualität beruflicher Ausbildung zu zeichnen.

Insgesamt 7.317 Auszubildende aus den 25 am stärksten frequentierten Ausbildungsberufen (nach Bundesinstitut für Berufsbildung) beteiligten sich schriftlich an der Befragung der Gewerkschaftsjugend. Diese hohe Zahl stellt im Vergleich zum Ausbildungsreport des vergangenen Jahres erneut eine Steigerung dar. Im Vorjahr waren noch 6.920 junge Menschen befragt worden. In 2010 ergibt sich somit erneut eine repräsentative sowie noch detailliertere und verlässlichere Bewertung der Ausbildungssituation in Deutschland, über alle Bundesländer hinweg. Befragt wurden Auszubildende aus allen Lehrjahren und aus Betrieben unterschiedlichster Größe. Um eine bessere Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu ermöglichen, erfolgte für diesen Ausbildungsreport eine erneute Bewertung anhand der 25 am häufigsten besetzten Ausbildungsberufe des Jahres 2008.

Der Ausbildungsreport soll ein möglichst detailliertes Bild von der Qualität der Berufsausbildung zeichnen und so auch eine Orientierung bei der Suche nach dem richtigen Ausbildungsberuf geben. Auch in diesem Jahr kann wieder festgestellt werden, dass der überwiegende Teil der befragten Auszubildenden mit der Qualität der Ausbildung zufrieden ist. Dies ist sehr erfreulich. Doch es gibt nach wie vor Bereiche mit schwerwiegenden Mängeln. Ausbildungsfremde Tätigkeiten, Überstunden teils ohne Ausgleich und fehlende Betreuung durch AusbilderInnen werden je nach Betriebsgröße und Beruf genannt. Es bleibt dabei, dass Kammern und Gewerbeaufsicht dringend gefordert sind, Missstände in einzelnen Betrieben schneller zu erkennen und darauf zu dringen, dass sie beseitigt werden. Dabei darf auch vor Sanktionen nicht zurückgeschreckt werden.

Der besondere Schwerpunkt des vergangenen Jahres, die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Bewertung der Ausbildung, wurde zu einem festen Bestandteil des Ausbildungsreports. Erneut haben wir die Ergebnisse der Befragung um Einträge aus unserem Beratungsforum Dr. Azubi ergänzt. Jedoch wurde deren Zahl deutlich erhöht und befindet sich als »Heft im Heft« am Ende dieser Publikation. So kann ein guter Überblick über den Ausbildungsalltag der jungen Menschen in Deutschland gewonnen werden. Zum Schutz der Betroffenen wurden jedoch sämtliche Namen und weitere Daten geändert.